Sommer 2011

Deutschland - Ecuador

Freitag, 1. Juli, letzter Schultag. Im alten Haus ist praktisch schon alles eingepackt. Noch drei Tage bis zum Flug und alles muss noch für den Umzug vorbereitet werden. Mit Hilfe von Luis, Martha und Blanca (und anderen Helfern) schaffen wir es knapp bis Sonntag alles fertig zu machen und einen großen Teil rüber gebracht.

Am Montag Aufbruch nach Deutschland, ein langer Flug (Bogotá, Madrid, München, Nürnberg, über 24 Stunden), aber es geht erstaunlich gut. In München dürfen wir nicht aussteigen, sondern müssen weiter fliegen. Und am Fughafen in Nürnberg dann ein schöner Empfang mit bayerischer Brotzeit und beiden Familien.

Spätabends dann ins Bett und am nächsten Morgen um 9 Uhr raus. Die Zeitumstellung war praktisch schon am ersten Tag geschafft. Und der Kleine schlief! Schon in Ecuador hatte er es viel besser gemacht, aber in Deutschland hat er sich (gottseidank) zu einem guten Schläfer entwickelt, der sich problemlos ins Bett bringen lässt und dann oft bis zum Morgen durchschläft.

Spielplätze in Ecuador sind rar, daher waren wir in Deutschland auf vielen.

 

Auch im Haushalt in Pentling hilft Cornelius immer noch gern.

 

Baden ist in Ecuador wegen der Sonne auch schwierig (oder auch wegen der Kälte der Nacht in der Sierra). Dabei badet Cornelius besonders gern, ob in der Donau oder in Seen, ob in Regensburg, Landshut oder Rosenheim. (Video)

Sehr gerne spielt er auch das Salamandermonster (Video).

 

Wichtiger waren natürlich die Familienbesuche. Dabei konnte man auch Biergartenbesuche und Gartenpflege verbinden und viele, viele Freund treffen. Auch ein Frisbeeturnier ließ sich unterbringen, aber das endete mit einem historischen 9. Platz (bei 9 teilnehmenden Mannschaften).

 

Ende Juli haben wir es auch zu einem Gladiatorenwochenende geschafft. Zuerst hatte Cornelius etwas Angst um seinen Papa, aber als man ihm erklärte, dass es hier nur um "Männerfangen" geht, da war er auch ruhig. Und auch noch Wochen nachher flüstert er manchmal leise im Bett: "Männerfangen", "Sapo finden" (dort gab es auch Frösche, die er gerne beobachtete). Auf der Hinreise gab es Stau, aber im Bus gab es viele Kinderlieder und nur wenig genervte Eltern.

Sogar auf einem Gladiatorenpferd durfte Cornelius reiten und am Lagerfeuer Spaß haben (Video).

 

Eine Freundin von Lisa zeigte uns dann noch eisenzeitliche Schlackenreste und steinzeitliche Hornsteinhaufen in der Nähe von Abensberg und Essing. Da wurde mancher von Neuem zum Jäger und Sammler.

 

Zum Schluss noch ein paar schöne Familienbilder aus Landshut und Regensburg und ein Planschvideo.

 

Zurück ging es Anfang August, wobei Clemens Familie schon drei Tage später nachkam. Bei der Hinfahrt hatten wir drei Koffer dabei, wovon zwei praktisch nur Geschenke waren. Auf der Rückreise waren alle Koffer voll (Kleidung, Spielzeugeisenbahn, Elektrogeräte, etc.), Clemens Familie brachte auch nochmal 20kg mit und eine Freundin, die uns besuchte, einen weiteren ganzen Koffer.

Nach einer Nacht in Madrid, wo es uns gut gefallen hat und wo man gut flanieren kann (wir waren zwar fast nur im Park, haben aber immerhin verlockende Kneipen von außen gesehen), kamen wir dann zurück nach Ecuador und schliefen zum ersten Mal im neuen Haus.

 

Insgesamt hat sich Cornelius in diesem Sommer enorm entwickelt. Er schläft häufig durch, er geht gerne und ohne Probleme ins Bett und er redet viel Deutsch-Spanisch. Als dann alle Besucher weg waren hat er sich sogar an seiner ersten Fantasiegeschichte versucht. Als wir mit ihm ein Feuerwehrbuch ansahen sagte er auf einmal: "Feuerauto - Wasser - Nelius - nass" und deutete energisch auf sich. Er wollte uns glaubhaft versichern, dass das Feuerwehrauto aus dem Buch sein T-Shirt nass gemacht hätte. Wir waren hin und weg von unserem Kleinen.

Aber zunächst zogen wir die restlichen Sachen um, weil 3 Tage später schon Clemens Familie zu Besuch kam. Hier ein paar erste Bilder: vom Garten aus sieht man den Cayambe, einen schnee- und eisbedeckten ehemaligen Vulkan. Es gibt einen Weg hinunter zum Fluss, der recht schön ist und wo gar nicht mal so viel Müll liegt. Links unten ein Foto von Elisabeth in unserem Arbeitszimmer und schließlich noch eines der wichtigsten Dinge: das Spielhaus im Garten.

Hier einer unserer ersten Ausflüge mit Clemens Familie zum Pululahua-Krater. Sabine war auch noch dabei, so dass wir mal wieder dringend unsere 7 Sitze brauchten.

 

Anschließend fuhren wir noch ein Stück in den Nebelwald, wo wir uns die Ruinenstätte Tulipe ansahen (Prä-Inka), mit zeremoniellen Badebecken und diversen Symbolen (hier: Ewigkeit) in die Felsen entlang des Flusses geritzt.

Am Rückweg waren unsere Gäste (wir sind der Meinung: einmal im Leben reicht) noch kurz im Mitad del mundo-Denkmal, einem hässlichen touristischen Klotz, der heute etwa 120 Meter vom eigentlichen Äuator steht. Dafür hatte man von dem Kreisel aus einen schönen Blick auf Quito und den Cotopaxi.

Und nach etwas Quito ging es dann los auf unsere Reise in den Süden.

Am ersten Tag aßen wir zu Mittag in einer historischen Hacienda (La Ciénaga), wonach wir weiterfuhren nach Riobamba, um dort zu übernachten. Cornelius war sehr  angetan vom Blick auf die Straße von unserem Zimmer aus; ansonsten gab es dort (vielleicht bis auf eine ganz nette Pizzeria) nichts wirklich Sehenswertes.

Dann ging es weiter nach Cuenca, wobei wir auf dem Weg noch Ingapirca, das größte ausgegrabene Inka-Areal, Halt machten. Dort war es hauptsächlich sehr kalt; und natürlich ist es kein Vergleich zu Peru oder gar den ungleich interessanteren Maya in Mittelamerika...

Cuenca ist ebenfalls Weltkulturerbe und sehr beschaulich; es gibt viele Kirchen, alte Gassen und man kann sich ganz gut und in urigen Geschäften Panamahüte kaufen (was zwei von uns auch gleich wahrnahmen). Leider gab unser Fotoapparat ziemlich bald seinen Geist auf, so dass sich die Anzahl der verwertbaren Fotos von nun ab in Grenzen hält. In Cuenca kann man aber auch schön Tauben jagen, wie man hier sehen kann. (Video)

In Cuenca wohnten wir in einem Patriomonio-Hotel mit ruhigem Innenhof und Leseraum, und Garage, was allen sehr gut gefiel. Rechts unten die Landschaft zwischen Riobamba und Cuenca: in der Hochebene viele Hügel und Berge, und nur selten vermummte Gestalten in Ponchos.

 

Dann trennten wir uns für eine Nacht, und wir fuhren mit Clemens Mutter für eine Nacht nach Guayaquil. Von dieser Über-3-Millionen-Metropole, der einzigen Stadt Ecuadors mit Slums und hoher Kriminalität und außerdem schwülwarm in Sümpfen gelegen hatten wir nichts wirklich Gutes gehört. Aber für eine Nacht war es ganz interessant: wir flanierten durch den Park mit den großen Leguanen, die überall herumlaufen (Clemens Mutter wurde fast von einem erschlagen, der mit einem abgebrochenen Ast direkt neben ihr von einem hohen Baum fiel).

 

Auf der Promenade kann man immerhin ganz gut ein Eis essen (außerdem gibt es mehrere wirklich schöne Kinderspielplätze). Und am schönsten war wohl der Friedhof, auf dem es weinende Engel, verschlungene Liebespaare, einen verwachsen-romantischen Berg mit einfachen Gräbern  für Arme und sogar einen jüdischen Sektor gibt. Wir bekamen eine private Führung von einer netten Friedhofswärterin (die sich weigerte, ein Trinkgeld zu nehmen), die uns alles sehr genau erklärte. Der Marmor für den Engel rechts wurde extra aus Italien importiert.

Fazit: Guayaquil ist in Ordnung für eine Nacht, der Friedhof lohnt sich sehr, man muss allerdings nicht dringend nochmal hin und man sollte auf jeden Fall  mit dem Taxi in die Stadt fahren und einen Wächter fürs Auto in der Nacht...

 

Nun kam der abenteuerlichste Teil unserer Reise: wir wollten von Guayaquil aus über den Cajas-Nationalpark in Richtung Puerto López fahren, wo wir die anderen treffen sollten. Wir kamen wunderbar durch Guayaquil hindurch (an der Ampel kann man Leute in Pick-Ups meist ganz gut nach dem Weg fragen) und wähnten uns schon in Sicherheit; dann kam der große Fehler: wir beschlossen, den Weg abzukürzen und die rote Strecke zu verlassen, um so vielleicht 30km zu sparen. Da wir damit ja schön öfter auf die Nase gefallen sind, waren wir auch schlau und fragten 3 (!) Männer auf der Strasse, ob man denn da fahren könnte, ob es weit sei und wie die Strasse ist. Nach unterschiedlichen, aber durchwegs ermunternden Antworten beschlossen wir, obwohl plötzlich ein Schotterweg auftauchte ("der hört bald auf; danach ist die Strasse gepflastert" - O-Ton Einheimeischer), hier weiterzufahren.

Dann, bei der 1. Flussüberquerung, dachten wir, oho, ein Fluss, aber wofür haben wir denn unser Auto... und machten noch ein Foto. Von den restlichen 74 (!!), teils 20 m langen Überquerungen, gibt es dann keine mehr...

Vielleicht hätte uns auch der Name eines "Dorfes" (Casas viejas - alte Häuser, rechts unten) aufhören lassen sollen, aber zum Umkehren war es dann irgendwann zu spät.

 

Die Landschaft war allerdings sehr schön, erst trocken und dann zur Küste hin sehr viel feuchter. Es gab dank fehlender Menschen nichts, was außer der "Strasse" auf Zivilisation hindeutete, so dass wir am Schluss ganz aus dem Häuschen gerieten, als mal Müll ("Eine Tüte! Eine Plastiktüte!") oder vereinzelte Ziegen auftauchten.

Und wir wissen bis heute nicht, ob der Junge in Casas Viejas, behindert war, der vollkommen irre anfing zu lachen, als wir ihn nach dem Weg an die Küste fragten...

Wir würden diese Strecke zwar aufgrund der Zeit (+ 3,5 h)  nicht direkt empfehlen, doch im Nachhinein auch nicht mehr missen. Und Cornelius war (wie immer in leicht kriseligen Situationen) sehr brav und fuhr die letzten 1,5 h auf dem Schoß mit.

← hier schon fast wieder in der Zivilisation

 

Puerto López ist ein schmuddeliges Fischerstädtchen, deren Vorteil ist, dass man von dort aus Ausflüge machen kann. Es war zwar die gesamte Zeit bedeckt und nieselte auch oft, aber das wussten wir vorher (das Wetter an der Südküste ist so im Sommer); und warm genug für den Strand war es auch meistens.

 

Ein Highlight war der Ausflug zur Isla de la Plata, wo wir endlich Buckelwale mit spektakulären Sprüngen beobachten konnten (diese sind stark gefährdet und ziehen im Sommer nach der Paarung bzw. Geburt die südamerikanische  Küste hinunter in die Antarktis), außerdem große Galapagos-Schildkröten und viele Blaufußtölpel inklusive des wirklich witzigen Balzrituals (die wirklich gar keine Angst vor uns hatten).

 

Eigentlich wollten wir dann noch mal übernachten, da der Weg nach Quito zurück mit ca. 8,5h recht lang ist; aber wir kamen so gut durch und unser Kleiner war so brav, dass wir doch an einem Tag (wenn auch mit vielen, vielen Kinderliedern) nach Hause kamen.

In den nächsten Tagen machten wir dann noch zu fünft (die anderen machten einen Abstecher nach Peru) ein paar Ausflüge, z.B. zu den Thermen von Papallacta.

... oder nach El Quinche, einer großen Wallfahrtskirche.

Und damit waren die Ferien zu Ende; unsere Gäste flogen wieder ab, und die Schule begann im 2. Jahr.