Ausflüge und Kolumbien

Tagsüber ist Cornelius viel ruhiger geworden (anders als unsere Hunde), aber nachts plagen seine Zähne ihn und uns gewaltig. Dabei wächst er rasend schnell und lernt viel. Am 23. März hat er zum ersten Mal allein die Haustür geöffnet (zu unserer Überraschung). Er kann aber auch den Wasserhahn aufdrehen, Wasser aus dem Vorratsbehälter auslassen, die Milch aus dem Kühlschrank nehmen und auf den Boden schütten, etc.

Neue Wörter sind z.B. "B(r)avo" und "Baum" und "da is er". Einen Buchstaben kann er auch schon erkennen, nämlich das "o", z.B. in "Hoppla".

Seine Rutsche hat er auch gut im Griff, kann von beiden Seiten sie erklimmen und saust alleine runter. (Video)

Einen ersten Versuch, ihn in eine Kinderkrippe zu geben hat Cornelius abgelehnt. So kommt er wohl im September dorthin. Er ist auch noch recht klein im Vergleich zu den anderen Kindern.

Gerne spielt Cornelius jetzt auch Verstecken, z.B. im Bett. (Video)

Dafür haben wir jetzt eine Hilfe mehr im Haushalt, nämlich Blanca, die selber fünf Kinder und auch schon zwei Enkelkinder hat.

 

Ein schöner Nationalpark in der Nähe ist der Pasochoa. Dort kann man schöne Wanderungen machen und am Ende zünftig grillen. Die nächsten Gäste führen wir bestimmt dorthin.

 

Wir werden im Sommer in ein neues, noch schöneres, Haus ziehen. Das Haus ist auch Lumbisi, aber ein wenig näher noch an der Schule und den Geschäften. Der Garten hat einen wunderbaren Kletterhügel (Video) und im Nachbargarten, der durch ein Loch in der Mauer erreichbar ist, gibt es ein tolles Trampolin.

 

... nach dem Baden...

 

 

Und dann kam im April unser Kolumbien-Urlaub: wir flogen nach Cartagena an die kolumbianische Karibikküste, angebliche eine der drei schönsten Städte Südamerikas (neben Cuzco/Peru und Ouro Preto/Brasilien).

Tatsächlich ist die Altstadt von Cartagena fast vollständig im Kolonialstil erhalten und von einer dicken Festungsmauer (gegen wiederholte Angriffe von Piraten) umgeben. Es gibt schöne Häuser in karibischen Farben, Balkone, stille Plätze mit Schatten und Tauben (zum Jagen) und zum Glück an jeder Ecke Stände, wo man Mangos, Wassermelonen und andere Früchte fertig geschnitten kaufen kann.

 

Insgesamt war es recht heiß: die Klimaanlage war nachts auf 26°C eingestellt, und es war ein deutlicher Unterschied zu draußen zu merken...

 

Mit Kollegen, die über Ostern auch in Cartagena waren, unternahmen wir einen Ausflug mit dem Boot zur Playa Blanca, deren Name recht passend war. Ein karibischer Strand eben, leider auch von Masseusen, Schmuck- und Mangoverkäufern durchseucht.

 

Rechts das Foto für die Kollegen zu Hause...

 

Cartagena besitzt auch einen Strandteil, der als Landzunge sehr schmal ist und wo sich daher viele Wolkenkratzer mit teuren Apartments und Hotels befinden.

 

Zum Schutz gegen feindliche Überfälle, viele Silber- und Goldschiffe starteten hier, gab es hier auch ein enormes Fort mit vielen Tunnels, das wir bei knapp 40 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit bezwangen. Die Stadt wurde nach Fertigstellung der Festung nicht mehr erobert. Allerdings wurde es dann auch von den Rebellen, die um die Unabhängigkeit Kolumbiens von Spanien kämpften, verteidigt.

 

In Cartagena gibt es viele pompöse Türen, von denen man zum Glück nur einen Teil öffnen muss, um ins Haus zu gelangen.

Es gibt aber auch Tanzvorführungen (Video) und es kann auch regnen ohne Ende, was die Luftfeuchtigkeit leider noch weiter fördert. (Video)

 

Am Karfreitag fuhren wir schließlich ins koloniale Mompox weiter, einem ehemaligen Handelszentrum im Landesinneren, das (weil nur über den Fluss zu erreichen) seit der Verlegung der Handelswege in einen Dornröschenschlaf versunken ist. Hier spielt die "Chronik eines angekündigten Todes" von Marquéz, was wir nach einer stressigen Fahrt mit Taxi, Boot und Taxi durchaus nachempfinden konnten.

 

In Mompox ist nur einmal im Jahr etwas los: an Ostern. Dann gibt es viele Prozessionen, die Hotels verdoppeln ihre Preise und es kommen Touristen in dieses Stadt-Kaff, vorwiegend aus Kolumbien.

Die Prozession am Karfreitag war tatsächlich etwas besonderes (Video): links und rechts der Strasse waren aneinandergereiht Menschen, die sich an den Schultern fassten und zu archaischer Musik vom linken aufs rechte rechte Bein traten. Dann gab es noch 3 Marien-Sänften, die getragen wurden. So bewegte sich die ganze Prozession in 6 Stunden (!) immerhin etwa 300 Meter (!) weit. Eher meditativ also.

 

So sieht ein typisches Gericht der Region aus, wie man es an jeder Straßenecke bekommt: gegrillter Fisch mit in Kokosmilch gekochtem reis, dazu Patacones (zerstampfte und in Öl gebackene Kochbananen) und etwas Salat. Rechts unser von einem sehr netten Engländer geführtes Hotel in Mompox (Casa Amarilla), ruhig, perfekt renoviert (was selten ist) und (noch seltener) ohne kalte Energiesparlampe an der Decke, sondern mit wunderbarer, dezenter Beleuchtung. Und wir bekamen sogar Urs, Cornelius Bären, den wir zwischen Bett und Wand vergessen hatten, durch eine Holländerin nach Cartagena nachgeliefert - so ein Service.

 

Eine weitere Sehenswürdigkeit in Mompox ist der Friedhof, nicht nur wegen der vielen weißen Gräber, sondern auch wegen der Katzen. Wären wir in Ecuador gewesen, hätten wir vermutlich ein etwa 8cm großes, kläglich winselndes Kätzchen mitgenommen... In Kolumbien werde - wie in Ecuador auch - die Toten meist in Wandnischen beerdigt. Bei 40°C kann man sich vorstellen, wie es nach kurzer Zeit dort riecht (Einäscherungen sind selten und teurer). Wir wurden recht bald von zwei Herren, einem Betrunkenen und einem seriösen, darauf hingewiesen, dass das Baby aufgrund der Verwesungsgerüche Schaden nehmen könnte und es besser wäre, ihn nicht mitzunehmen. Wir gingen dann auch recht bald - allerdings, weil gerade eine Beerdigung stattfand.

 

Sonst gibt es nicht viel in Mompox - Zahnarztwerbungen und in der Osterzeit monumentale, aus farbigen Reiskörnern und Sand hergestellte Heiligenbilder auf dem Boden (davon aber viele).

 

Dann fuhren wir weiter - diesmal aufgrund der Erfahrungen auf dem Hinweg mit einem Door-to-door-Transport - nach Taganga, einem kleinen Hippie-Touristen-Fischerdorf einige Minuten nördlich von Santa Marta.

 

Von dort aus unternahmen wir einen Ausflug zum Baden in de Nationalpark Tayrona. Zum Glück hatte auch das Hotel einen Pool, mit einem knietiefen Abschnitt für Cocktail-schlürfende oder kleine Gäste, den Cornelius und wir sehr schätzten.

Am Strand kann man auch schön gekitzelt werden, was dieses Video zeigt.

 

Zurück in Cartagena unternahmen wir noch einen Ausflug zum Schlammvulkan Totumo. Das ist tatsächlich ein Vulkan, aus dessen Krater die ganze Zeit lauwarmer Schlamm blubbert. Besonders seltsam war für uns, dass man keinen Boden unter den Füßen hatte und nur vom Schlamm getragen wurde. Das machte auch die Fortbewegung sehr schwierig. Aber nachdem Cornelius bald Schlamm in beiden Augen hatte, mussten wir dann in den nahegelegenen See zum Waschen weiter.

 

Und hier noch ein paar Bilder aus Cartagena: Die Stadtmauer beherbergt auch viele Kanonen und ist an vielen Stellen aus Korallen erbaut. Die Schaufensterpuppen haben sich vielerorts den künstlichen Oberweiten des Landes angepasst, und wir werden die Säfte von nebenan, besonders Lulo con leche, eine nur in Kolumbien beheimatete Frucht, vermissen.

 

Wieder "daheim" in Quito musste Cornelius natürlich dringend mal wieder seinen Esel besuchen und auf ihm reiten (Video). Das macht er jetzt fast täglich, meist mit einer unserer empleadas (wir haben ja jetzt jeden Tag jemanden - und weil wir unsere Marta nicht aufgeben wollten, haben wir eben für die restlichen tage noch eine weitere Dame namens Blanca eingestellt).

Unsere beiden Räuber sind schon recht groß und wachsen noch ein paar Monate weiter. Regelmäßig fallen ihnen Schuhe, draußen vergessene Kleidung, Putzlappen, Ofenholz, Besen, Plastiktiere usw. zum Opfer.

 

Schon bald folgte unser nächster Ausflug: wir ließen Cornelius 6 Stunden bei unserer Angestellten und fuhren endlich einmal auf den Pichincha, das ist der Hausberg Quitos. Mit der Seilbahn kann man bis auf 4100 Meter fahren und muss dann noch etwa 800 Höhenmeter zum Gipfel gehen (ganz unten; was wir nicht gemacht haben, kreislauf-, wetter- und zeitbedingt). Danach waren wir in einer kolumbianischen Burger-Kette essen und im Nationalmuseum - in aller Ruhe.

 

Wenig später ein Wochenendausflug nach Papallacta, den heißen Thermen, die etwas mehr als 1 Stunde von uns entfernt sind. Dort kann man in einer fürstlichen Cabaña übernachten, sich nachts unter dem Sternenhimmel und mit einem Glas Wein im warmen Wasser direkt vor der Tür aalen oder sich vor den offenen Kamin setzen... Ein bisschen Luxus zwischendurch.

 

Wir dokumentieren natürlich hauptsächlich unsere Ausflüge; zwischendurch wird natürlich hart gearbeitet...

 

Im Mai fuhren wir über ein verlängertes Wochenende (aufgrund einer Schlacht) zur etwa 4 Stunden entfernten Laguna de Quilotoa, einer Kraterlagune inmitten von grünen Feldern auf etwa 3500 Metern Höhe.

 

Moni und Georg sowie Gerald, Kollegen, fuhren auch mit und hatten sich um eine Unterkunft gekümmert: eine Hacienda mit vielen Tieren und einem köstlichen biologischen Essen aus Eigenanbau. Cornelius war ganz aus dem Häuschen, da es so gut wie alle Bauernhoftiere gab. Da war auch der Nieselregen egal.

 

Der Hit waren natürlich die Reittiere: Lamas und Pferde. Hier ein paar Fotos und ein Video

 

Am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg zur Quilotoa Lagune. Im Hochland tragen hier noch fast alle Leute Ponchos aus Wolle - anscheinend halbwegs regenfest. Davon gab es auch viele auf dem kleinen Markt von Zumbahua, wo wir kurz wegen der Tiere halt machten. Unsere Einkäufe beschränkten sich aber auf das 5. Paar Gummistiefel (das bleibt ab jetzt im Auto, damit es nicht noch mehr werden).

 

Die Lagune selbst liegt auf etwa 3500 Metern Höhe - wir hatten perfektes Wetter: kein Regen, aber bewölkt. Ohne Wolken würde man die Sonne (trotz LSF 50+) deutlich spüren - besonders an den Ohren.

Nach 400 Metern Abstieg waren wir unten. Leider war nur noch am Rand der türkise Schimmer zu sehen, der um 6 Uhr morgens die ganze Lagune ausfüllt. Wir machten dann ein wenig Pause und uns wieder an den Aufstieg - mit den Lasten der Schwangerschaft bzw. eines 15 kg-Brockens in der Kraxe.

Zurück an der Farm kehrten wir zu unseren Lieblingsbeschäftigungen zurück: reiten bzw. vor dem Ofen sitzen.

 

Hier noch ein paar Tierbilder.

 

 

Unsere Unterarmmuskulatur wurde beim Melken trainiert.

 

Die Hacienda beschäftigt zwei Familien - was heißt, dass auch die Kinder mithelfen.

 

Zu guter letzt waren wir noch bei einem bekannten Künstler im Atelier in Tigua. Moni und Georg kauften ihm sein heißgeliebtes Traum-Bild ab, Gerald zwei kleinformatig-surreale, auf Schafshaut gepinselte Werke und wir eine traditionelle Maske mit echten Hörnern.

 

In Lumbisi, das vermutlich von Peru aus besiedelt wurde, weswegen die Einwohner im Volksmund immer noch "peruanos" heißen, gibt es mehrere Höhlen. In einer dieser entdeckte der Sohn unserer Wächterfamilie mehrere alte Figuren, von denen er uns welche schenkte. Gemeinsam mit ihm haben eine der Höhlen dann auch besichtigt, was nicht ganz ohne Schweiß und Kopfanstoßen ablief. Aus welcher Epoche die Figuren stammen, das wissen wir noch nicht, aber das Zentralmuseum wird und das noch verraten.

Mit von der Partie war auch ein Rektor der British School, der allein zwei Kinder aufzieht.

 

Zu guter letzt noch zwei Bilder aus dem alten Haus, sowie vom Besuch des schönen und schön gelegenen Café Mare, wo Cornelius furchtlos mit fremden Hunden spielt. (Video)