Advent

Im November hat es viel geregnet und es war im Schnitt sieben Grad kälter als üblich. Daher liegt derzeit auf dem Cotopaxi bis auf 4000m Meter runter Schnee. Und das nur 90 Autominuten weg von uns. Hier ein Photo des Cotopaxi vom Dorfplatz von Lumbisi aus photographiert.

Laufen kann Cornelius schon ganz gut. Auf die ersten Schritte am 8. und 9. November folgten bald ganze Rennen. Hier ein Video vom Spielen und Laufen.

Auch mit dem Sprechen geht es nicht ganz schlecht, neben "Mama", was "Mama" oder "noch mal" bedeuten kann, kommt auch oft ein kräftiges "Nein" zusammen mit Kopfschütteln, selten auch mal ein "Papa" oder ein "da".

Die Weihnachtsbeleuchtung ist etwas bunt, aber nicht ganz ungewohnt. Hier Cornelius am Flughafen.

 

Am Tag vor der Volkszählung, dem "censo" am 28.11., haben wir dann Clemens Geburtstag gefeiert. Alkohol durfte aber nicht mehr verkauft werden und eigentlich auch nicht mehr getrunken werden. Alle größeren sozialen Veranstaltungen waren verboten. Am Sonntag ist dann Ausgehverbot zwischen 7 und 17 Uhr, damit die Volkszähler die Leute auch antreffen.

Trotzdem haben wir es uns gut gehen lassen (z.B. mit dem letzten importierten deutschen Bier).

 

Anfang Dezember feiert Quito seine (spanische) Stadtgründung (6. Dezember 1534) mit großen Festen und Stierkämpfen. Auch an der Schule finden Veranstaltungen statt und aus verständlichen Gründen ist am Montag frei. "Schlachtruf" dieser Feste ist dann "¡Que viva Quito!" ("Es lebe Quito!" Darauf folgt dann oft der eher inoffizielle Ruf, "Es trinke Quito!" Da wird dann auch sehr ausführlich getan, trotz großer Anstrengungen der Regierung.).

An diesem Wochenende wurden auch die neuen Kollegen offiziell vom Kollegium aufgenommen. Dabei sollten sie Personen aus der Stadtgeschichte Quitos darstellen. Mir gefiel Rumiñauhi, der letzte Inkageneral, der gegen die Spanier kämpfte und das vorspanische Quito in Flammen aufgehen ließ, damit es den Spaniern nicht in die Hände fallen sollte. Er hat auch wohl einen großen Inkaschatz des Atahualpa versteckt (nach dem immer noch gesucht wird) und wurde von den reizenden Spaniern zu Tode gefoltert, weil er den Aufenthaltsort des Schatzes nicht verraten wollte.

 

Dann haben wir uns auch zwei Stierkämpfe angesehen. Das ist auch in Ecuador ein kontroverses Thema. Wir wollten uns das einmal ansehen, bevor wir urteilen. Außerdem sollte man als Fremder erst einmal vorsichtig sein, die Kultur eines Landes schnell zu verurteilen.

Unsere Erfahrungen: Es sind weniger Kämpfe als inszenierte Stücke vom Kampf des Menschen gegen die Natur und den Tod. Dass der Mensch dabei gewinnt (fast immer jedenfalls), das ist somit auch Absicht. Was die Toreros leisten, das ist wirklich sehr athletisch. Sie können den Stier auch unglaublich gut einschätzen und können bei ihm Aggressivität wie Passivität erzeugen. Diese Toreros sind Stars und werden auch entsprechend behandelt und gefeiert.

Insgesamt, auch vom Publikum her, ein beeindruckendes Erlebnis. Nur das Finale, die Tötung des Stieres, die hinterlässt einen üblen Nachgeschmack. Ich weiß nicht, ob wir uns noch mal einen Stierkampf ansehen werden.

Zum Schluss noch ein Video von einem Stierkampf, den wir gesehen haben.

PS: Präsident Raffael Correa will die Fortführung der Stierkämpfe nun einem Volksentscheid unterwerfen. Da diese hauptsächlich von der Oberschicht besucht werden, ist es gut möglich, dass 2010 die letzten Stierkämpfe stattgefunden haben!

 

Am Tag darauf machten wir einen Ausflug in den Norden von Ecuador in Richtung kolumbianischer Grenze. Zuerst kamen wir zu den Ruinen von Cochasqui, die einem beeindruckenden Gelände liegen. Diese präinkaischen Ruinen gehörten zu einem Volk, das sich lange gegen die Inka gewehrt hat. Dreizehn Pyramiden zeugen von ihrer Kultur und ihrem astronomischen Wissen. Heute liegen die Pyramiden als sanfte Hügel da und werden von Lamas und Pferden bevölkert.

 

Von dort aus ging es dann weiter Richtung Otavalo. Kurz zuvor kommt noch ein schöner See, auf dem wir eine Bootstour machten. Der Vulkan im Hintergrund ist der Imbabura.

 

In Otavalo gibt es einen sehr bekannten Einheimischenmarkt. Auch wenn böse Zungen behaupten, dass manche Familie schon aus China beliefert wird, der Markt bietet trotzdem viel Schönes und Originelles. Wir haben jedenfalls nicht widerstehen können, auch wenn wir eigentlich keine Fans von Ethnomode sind. Die ersten Bilder zeigen unser Hotel Doña Esther, das wir durchaus empfehlen können, dann einige Kirchen und Cornelius in neuer Kleidung.

 

Am nächsten Tag haben wir dann in der Früh die Wasserfälle von Peguche besucht (am Stadtrand Otavalos), bevor wir nach Ibarra weiterfuhren. Dazwischen machten wir noch einen Abstecher nach Cotacachi, das für seine Lederarbeiten berühmt ist. Wir fanden aber hauptsächlich die Gebäude schön und auch das Stadtmuseum, das uns bereitwillig drei Poster schenkte.

 

In San Antonio de Ibarra, einem Vorort der Provinzhauptstadt, haben wir dann eine Holzkrippe gekauft, mit allen wichtigen Personen, aber auch mit Schafen, Kamelen, Ochs und Esel, was Cornelius natürlich sehr freut (Es ist nur manchmal schwierig ihn beim "Krippenspiel" zu bremsen.). Der Ort ist überhaupt für seine Schnitzereien berühmt, was man an den Bildern gut sehen kann.

 

Die Rückfahrt am Vulkan Cayambe vorbei war dann noch sehr malerisch und hat unser Fiesta de Quito Wochenende schön ausklingen lassen.

 

Am 14. Dezember bekamen wir dann bereits unseren nächsten Besuch, Eva. Weil es jetzt auch ab und zu eher ungemütlich regnen kann haben wir auch mal den Kamin angemacht. Aber tagsüber war es auch oft schön, so dass Cornelius auch im Planschbecken sitzen konnte und sich filmen ließ (Video 1).

Mit ihr waren wir dann am 4. Advent auch zum ersten Mal in der Kirche und zwar in der lutherischen Gemeinde in Quito. Dessen Pfarrer unterrichtet auch Religion am Colegio Alemán und unter den Gottesdienstbesuchern waren auch viele bekannte Gesichter. Nach der Kirche gab es dann noch Würstchen und Kaffee, herrlich. Im Gottesdienst sangen dann auch noch Kinder eines Kindergartens (Video), den die Gemeinde unterstützt. Der Gesang war vielstimmig, kam aber sicher von Herzen.

Danach spazierten wir noch im Ejido-Park und haben einen öffentlichen Salsa-Kurs genossen (Video).

Übrigens, seit ein paar Tagen, also seit ca. Mitte Dezember, kann Cornelius auch Papa sagen. Schön!

 

Am 18. Dezember fand dann der Weihnachtsmarkt der Schule statt. Neben Ständen gab es auch Theater- und Tanzvorführungen und ein großes Weihnachtskonzert.

Für die Stände sollte jede Klasse aus eigenen, möglichst recycelten Materialien etwas basteln und verkaufen. Auch der Baumschmuck wurde aus alten Plastikflaschen und CDs gebastelt.

Der Gesamterlös ging dann an eine Schule für arme Kinder in der Chimborazo-Region. Diese wird nicht nur mit Geld unterstützt, sondern auch mit tatkräftiger Hilfe unserer Schüler, die beim Bau neuer Klassenzimmer helfen.

Natürlich wurde auch Essbares verkauft und zum teil sehr originell für die Waren geworben.

 

Kurz vor Weihnachten, am 19. Dezember, bekamen wir dann von einem befreundeten Arzt noch haarigen Familiennachwuchs. Diese zwei Weibchen sind am 12. Oktober geboren und tollen jetzt in unserem Garten herum. Cornelius ist ganz begeistert, wie dieses Video zeigt. Der Vater ist eine Mischung aus Labrador und Golden Retriever, die Mutter eine Straßenhündin, aber ein Retriever steckt wohl auch drin. Die Namen, die wir uns überlegt haben, lauten für die wildere, dunklere und Charlie für die hellerer und ruhigere.