Der erste Besuch

 

Endlich haben wir eine Dauerbeschäftigung für Cornelius: am 26. Oktober kamen Ladi und Geli mit ihrer fast gleich alten Tochter Emilia in Quito an. Die beiden spielen die ganze Zeit, und wir haben ein bisschen, Zeit, übrig gebliebene Sachen zu erledigen: das Silikon im Bad neu zu ziehen, die Homepage zu aktualisieren, Blumen und Tomaten zu pflanzen usw.

Und zum Kubb-Spielen im Garten kamen wir auch.

 

Dafür hätte unser baldiger Hund nun doppelt so viel zu fressen.

 

Am Sonntag ein Ausflug auf den Markt von Sangolqui: in der Mitte ein Heiliger mit Besen, und dann unser Picknick mit mitgebrachter Hühnerfußsuppe und dem allgegenwärtigen Reis mit Beilage. Danach noch ein kleiner Reitausflug für die Kleinen.

 

Ansonsten sah das Markttreiben so aus (Bilder von Ladi - heimlich aus der Hüfte fotografiert):

 

Sonst sind wir (besonders wenn es heiß ist) viel zu Hause und lassen unseren Gästen eine Weile zur Akklimatisierung, bevor wir die etwas sportlicheren Sachen angehen können.

Cornelius und Emilia haben sich sehr gut verstanden, ob im Kartonhaus oder beim Essen.

Hier ein erster Erfahrungsbericht unserer ersten Besucher:

Ihr Lieben, heute geht es um die kleinen Tücken des Alltags in einem anderen Land so fern von dem unseren:
Z.B. will ich ja eigentlich gerne Hinz und Kunz eine Postkarte schreiben, aber... es gibt kaum welche zu kaufen (nur im Zentrum von Quito). Vielleicht ist es in Hotels anders, aber hier im Vorortstädtchen Cumbayá haben wir nur eine Buchhandlung mit Briefkarten gefunden. Es gibt keine im Supermarkt, gab keine in unserer Unterkunft und im Fischerdorf am Strand und so ein Tabakgeschäft gibt es nicht, weil es auch kaum Zigaretten gibt, geschweige denn Postkarten und Briefmarken.
Außerdem gibt es auch keine Briefkästen, wo man die schwer erhältlichen Postkarten einschmeißen könnte - das geht nur bei der Post! Clemens Schüler an der deutschen Schule haben schwer gestaunt, als er ihnen von den kleinen gelben Kästen erzählte!! Also nicht böse sein, wenn doch keine versprochene Karte kommt!!
Ein weiteres Alltagsproblem: endlich hat es uns auch erwischt!! Wir hatten schon gedacht, wir kommen diesmal drum herum, aber es ist auch leicht zu kriegen: der liebe Durchfall!! Seit Mittwoch leiden alle außer Uli (die sich aber auch ständig mit ungewaschenem Obst oder Speiseeis auf der Straße abhärtet :-) an mehr (der arme Ladi :-( oder minder (zum Glück Emilia :-) starkem Durchfall... kein weiterer Kommentar.. bleid gloffn wie die Franken sagen.. im Wochenendprogramm wurden halt die Ausflüge gestrichen.
Kommen wir lieber zu geruchsneutralerem wie das liebe nicht stinkende Geld:
Hier gibt es ja Dollars, aber wenn Du deine stolz in Deutschland erstandenen 100$ Scheine einlösen willst, hast Du Pech gehabt. Die nimmt hier so gut wie niemand. Deshalb hat die gute Uli eine stundenlange Bankenschalterodyssee hinter sich, um unsere Scheine erst auf ihr Konto einzuzahlen und dann in kleinen Scheinen (was das ist erfahrt ihr noch weiter unten ;-) ausgezahlt zu bekommen. Dass die zwei hier überhaupt ein Konto eröffnen konnten, verdanken sie dem glücklichen Umstand, dass Clemens doch kein gesuchter Terrorist ist, wie anfangs von der Bank behauptet :-)
Überraschend sind auch die Preise von manchen Alltagsdingen, die unsere so eingefleischte Wertigkeit auf den Kopf stellen. Um Euch selbst davon zu überzeugen, dürft Ihr selbst mal folgende Dinge den aufgelisteten Preisen zuordnen! Viel Spaß und mich würde es sehr interessieren, wer alles richtig hatte (Bitte nur ehrliche Zuschriften ;-):
1.eine Briefmarke
2. ein Spülschwamm
3. 700g Quark
4. Trinkgeld für den Parkplatzwächter
5. Stadtautobahngebühr für den Tunnel nach Quito
6. 25 Mandarinen
7. ein Menü (Suppe, Tagesgericht, Getränk) im Straßenrestaurant
8. eine Tafel Schokolade
9. Friseurbesuch
10. Dieser Geldschein ist auf einem traditionellen Markt auf dem Land quasi wertlos, da ihn kein Verkäufer annimmt, weil er ihn nicht wechslen oder selbst einlösen kann
11. 10 Briefkarten mit Umschlag
12. vierstündige Busfahrt
13. Qualitätswein (kein Gepansche, aber auch kein anno dazumal)

a 20 Cent
b 40 Cent
c/d 1$
e 1,50$
f 2,50$
g 3$
h 4$
i 5$
j 6$
k 10$
l 13$
m 20 $

Viele liebe Grüße (nur ich und die Grille hinter dem Kühlschrank sind noch wach :-)
Eure Geli

Vorsicht Auflösung: 1f, 2c, 3j, 4a, 5b, 6d, 7e, 8i, 9g, 10k, 11l, 12h, 13m Der Gewinner erhält eine Flasche Wein und einen Käsekuchen :-)

 

Am 2. November wird in ganz Lateinamerika der Día de difuntos (Allerseelen) gefeiert. Und zwar richtig gefeiert auf den Friedhöfen mit Essen und Trinken und einem Volksfest.

Hier ein Video vom Friedhof in Calderon bei Quito, das für sein Allerseelenfest bekannt ist.

Die Gräber werden mit Blumen und Kränzen aus Silberpapier (aus der Rückseite von leeren Chipstüten) geschmückt, und später gibt es (auf den Gräbern!) Musik und Tanz. Dazu waren wir aber leider zu früh dran.

 

Dafür haben wir die typische Colada Morada (eine süsse Suppe aus Blaubeeren und Früchten) mit den typischen Guaguas de pan (Brotbabies) gegessen. Und einen nachgestellten Totentanz gab es dann auf dem Dorfplatz. Dort sieht man im übrigen auch die Unmengen von Kabeln, die über die Strassen gespannt sind.

Die meisten Leute sind hier katholisch und werden in Nischen in der Wand bestattet.

 

In den Herbstferien waren wir dann am Strand im Hotel CocoSolo, 20km nördlich von Pedernales, an einem 40km langen Palmenstrand. Und das Hotel lag mitten in der Mitte davon; man traf kilometerweit nur auf tote Meeresschildkröten oder angespülte Fische. Die zwei Punkte im rechten Bild sind Ladi und Geli.

Auf der Strasse am Meer fuhren wir öfter mal durch größere Kuhherden.

Cornelius erste Bekanntschaft mit dem Meer war Liebe auf den ersten Blick, wie dieses Video zeigt

Wir haben viel Fisch (sehr gut in einer Kokossoße), Scampi, Langusten, Muscheln und Calamares gegessen und ansonsten im Sand gespielt und viel Zeit in der Hängematte verbracht.

Ein Kokosnuss-Pflücker wird pro Palme gezahlt und bekommt dafür 80 Cent.

 

An unliebsamen Gästen gab es anfangs Ameisen im Bett und nach dem Umzug von der Cabaña ins Haus eine Maus, die uns jeden Abend besuchte und unter das Laken kroch.

 

Morgens kamen die Fischer und verkauften ihren Fang am Strand vor dem Hotel. Clemens half natürlich passend im Ecuador-T-Shirt beim Einholen des Netzes und Cornelius spielte bei Ebbe im Sand.

 

Nach dem Strand war Cornelius bereit für das nächste große Abenteuer, Laufen lernen.

Hier zwei Videos von seinen ersten Gehversuchen am 9. November, täglich kamen dann immer ein paar Schritte mehr dazu.

Video 1 - Video 2

Die Gladiatorenausbildung kommt natürlich auch nicht zu kurz im Hause Fritz.

Beim Friseur in Tumbaco. Viermal Haarschnitt eben 10$.

Dekorationen in der Fischtheke in Santa Maria, Tumbaco.

Einige Tierbilder aus und vor unserem Haus. Besonders die Fleisch fressenden Ameisen sind ganz gierig.

Mit dem Besuch und einigen Lehrern von den deutschen Schulen in Ecuador und Kolumbien waren wir noch mal in Quito, wo diese Bilder entstanden sind.

 

In Ecuador gibt es viel Not, mehr als man sehen möchte. Aber es gibt auch Hilfe. Ein besonders gutes Projekt ist "Ecuador - Licht und Schatten". Dieser Verein engagiert sich in verschiedenen Orten, z.B. auch in Quito. An meinem Geburtstag sind wir nach der Schule in einen Kindergarten im Norden von Quito, in Calderón, gefahren, um dort einen Kindergarten zu besuchen. Ohne diesen Kindergarten müssten die allein erziehenden Mütter ihre Kinder tagsüber zuhause einsperren, damit sie arbeiten gehen können. Und dabei handelt es sich um Kinder ab ca. einem Jahr! Und die Wohnungen sind auch mehr dunkle Löcher als das, was man aus Deutschland gewohnt wäre. So werden diese Kinder betreut, bekommen vernünftiges Essen und auch Gelegenheiten zum Spielen und Lernen. Auch eine medizinische Versorgung wird geleistet. An diesen Kindern wird einem aber wieder sehr bewusst, welch privilegiertes Leben wir führen.

Bei Günter Müller, der das Projekt vor Ort unterstützt, waren wir dann noch eingeladen, Kaffee zu trinken. Er hat auch zwei riesige Hunde, die aber eher schüchtern sind und außerdem eine schöne Sammlung von Antiquitäten und Krippen.

 

Mit meiner Klasse haben wir im November auch einen Ausflug unternommen, wo wir Volleyball, Fußball und Wasserrutschen gespielt haben.

Etwa eine Stunde östlich von uns liegt hinter einem Gebirgspass auf über 4000m Höhe Papallacta. Dort regnet es zwar immer, aber dafür entschädigen viele heiße Quellen, in denen man wunderbar stundenlang baden kann.

Jetzt folgt der zweite Erfahrungsbericht unseres Besuches.

Ihr Lieben,
bald - am 24.11. - sind wir wieder zuhause und der Abschied wir schwer fallen.
Besonders Emilia wird ihren Cornelius vermissen, dem sie täglich den Schnuller entreißt und - ganz professionelle Fetischistin - dann stundenlang selbst ablutscht, bis Cornelius dann einen neuen hat, der ihm auch wieder entrissen werden muss ... usw. :-)
Wir werden vor allem die tollen Säfte vermissen,
das immer gleich bleibende schöne Wetter (und den Nachmittagsregen, auf den man sich verlassen kann;-),
die grandiosen Schluchten,
die interessanten Menschen, die wir durch Uli und Clemens kennen gelernt haben (alle mit originellem Lebenslauf, der sie bis hierher geführt hat),
die gleich bleibende Freundlichkeit und Gelassenheit, die man bei den Ecuadorianern findet (wenn man z.B. eine junge Frau im strömenden Regen im Auto mitnimmt und sie eine Ruhe ausstrahlt, wie wenn man sie auf einer Bank in der Sonne aufgegabelt hätte,
oder die spontane Hilfsbereitschaft (z.B. verkauft ein Ladenbesitzer der Uli seine eigene Zeitung, weil es in seinem Laden gar keine zu kaufen gibt - ebenso geschehen mit einem Päckchen Butter ;-)
das filmreife Meer....
und nehmen viele tolle Ausflugserinnerungen mit (z.B. waren wir letzte Woche noch in warmen Naturquellen baden, auf einem Wallfahrtsfest (viel Wallfahrt aber auch viel Oktoberfest ;-) und auf einem Ausflug von Clemens Schulklasse in einem privaten Freibad)
Aber wir freuen uns natürlich auch auf Euch  - live und in Farbe oder am Telefon :-))
Bis bald zu Hause!!!
Eure Emgelas

Nachdem etliche Darmverstimmungen eher häusliche Aktivitäten nahe legten ein paar Bilder aus Küche und Bad. Der Hintern gehört übrigens Emilia.

Am letzten Wochenende waren wir dann noch in El Quinche, einem Wallfahrtsort in der Nähe. Die heilige Madonna von El Quinche hat übrigens auch dabei geholfen, 1970 Erdöl in Ecuador zu finden. Im Gewühl hat dann Ladi sogar noch seinen Geldbeutel "verloren", gottseidank waren aber nur 20$ drin. Im ersten Bild sieht man Zuckerrohr, das man zu kleinen Happen schneidet oder auch als Saft vergoren oder unvergoren trinkt. Von den großen Feiern lagen dann auch noch etliche Menschen in nicht ganz nüchternem Zustand auf der Straße.

 

Bilder vom letzten Tag mit unseren Gästen. Ein letzter kleiner Ausflug in und um Lumbisi. Die Dame am Tisch ist übrigens Martha, unsere Empleada, die wöchentlich an zweieinhalb Tagen kommt und uns hilft. Cornelius versteht sich mit ihr blendend!

 

Zum Schluss noch ein Bild von Emilia in ihrer "cuna" im Flugzeug. So sah Cornelius beim Hinflug auch aus, ungefähr so zumindest.